| Entstehung des Eisenbahnnetzes im Saarland |
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Wie im übrigen Deutschland, so ermöglichte auch im Saarland erst die Eisenbahn die Industrielle Revolution. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich die begrenzten Transportmöglichkeiten vor der Industrialisierung verdeutlicht. Der Personenverkehr war natürlich ausschließlich auf Postkutschen beschränkt, die selten fuhren und lange brauchten. Dies war begründet in dem katastrophalen Zustand der Straßen, für die nicht der Staat zuständig war, sondern die jeweils betroffenen Orte. Da diese jedoch keinerlei Vorteile von guten Straßen hatten, blieben die Arbeiten liegen. So dauerte die Fahrt von Saarbrücken nach Trier vor 1827 noch 41 Stunden, nach Luxemburg mußte man mit 24 Stunden rechnen, in Ottweiler war man in etwa 5 Stunden. Nach 1830 konnte man immerhin schon täglich von Saarbrücken nach Trier, Kreuznach und Mainz fahren . Noch gravierender waren die Verhältnisse beim Gütertransport, wo Pferdefuhrwerke eingesetzt wurden. Dieser Transport verteuerte z. B. die heimische Kohle so sehr, daß die Kosten schon bei geringer Entfernung überproportional anstiegen, was den Absatzmarkt natürlich stark einschränkte. Zudem kamen noch zahlreiche Zölle, Straßenbenutzungsgebühren und Aufschläge. Die Kohleförderung blieb dadurch lange hinter ihren Möglichkeiten zurück. Die Absatzschwierigkeiten der saarländischen Industrie waren deshalb auch der Hauptgrund für deren Interesse an der Entstehung des Eisenbahnnetzes. Während der Personenverkehr ansonsten oft an erster Stelle stand, hatte er im Saarland zunächst nur eine untergeordnete Bedeutung, die erst mit dem steigenden "Reisebedürfnis" wuchs . Gleich nachdem das Saarland an Preußen gefallen war, beschäftigte man sich mit einer Verbesserung des Kohletransports und ordnete schließlich den Bau einer hölzernen Schienenstrecke zwischen der Grube Bauernwald und der Saar an, auf der eine Dampflokomotive die Beförderung übernehmen sollte. Wie auch die erste Dampflokomotive des europäischen Festlandes für die Königshütte in Oberschlesien, die von der gleichen Gießerei in Berlin 1815 hergestellt worden war, konnte jedoch auch dieser dampfbetriebene Wagen nicht eingesetzt werden. In Oberschlesien hatten die Spurweiten nicht übereingestimmt, im Saarland scheiterte der Zusammenbau der Lokomotive an fehlenden Konstruktionsplänen. Der 2,5 km lange, sogenannte Friederiken-Schienenweg mußte also weiterhin mit Wagen befahren werden, die von Menschen, später von Pferden bewegt wurden. Dies war immerhin schon ein kleiner Erfolg, da die Kosten für den Transport erheblich gesunken waren. Und tatsächlich wurde erst 1862 eine Dampflokomotive auf dem Schienenweg eingesetzt. In Saarbrücken wurde am 26. 01. 1836 die "Gesellschaft für die Errichtung einer Eisenbahn von Saarbrücken nach Mannheim" gegründet, um endlich eine Verbindung des Saarlandes zur Wasserstraße Rhein und nach Süddeutschland zu schaffen. Neben Vertretern aus Industrie und Wirtschaft engagierte sich bei allen Eisenbahnplänen vor allem Leopold Sello, der Leiter des staatlichen Steinkohlenbergbaus an der Saar. Das Geld wollte man mit Aktien aufbringen. Dieses Projekt scheiterte jedoch an der Unvereinbarkeit von preußischen und bayerischen Interessen. Die erste Eisenbahn, die schließlich auf saarländischem Gebiet verkehrte, verlief dann aber doch auf der oben genannten Strecke, endete aber an der bayerisch-preußischen Grenze in Bexbach, dessen Grube pfälzische Kaufleute für die Vorderpfalz ausbeuten wollten. Mit dem Bau dieser bayerischen Pfälzischen Ludwigsbahn, der "ersten Bahn der Pfalz" , wurde 1845 in Kaiserslautern begonnen, nachdem König Ludwig I. die Gründung von Aktiengesellschaften zur Finanzierung vorgeschlagen hatte und damit dem Hin und Her ein Ende gemacht hatte. Die Strecke Kaiserslautern - Homburg wurde am 1. 7. 1848, die Strecke Homburg - Bexbach am 26. 8. 1849 eröffnet. Im Juni gleichen Jahres war bereits der Rhein erreicht worden trotz einiger kleinerer Aufstände in der Pfalz während der Revolution. In Preußen ließ man sich mit dem Bau der saarländischen Eisenbahnen mehr Zeit, obwohl der Staat Eigentümer der Kohlegruben war und deshalb eigentlich das größte Interesse an besseren Transportbedingungen hätte haben müssen. Jedoch sah man in Preußen infolge der finanziellen Situation nur Nachteile darin staatliche Gelder in eine offenbar als riskant empfundene Unternehmung wie den Eisenbahnbau zu investieren, weshalb man sich ganz auf Privatinitiativen verließ. Am 3. November 1838 wurde sogar ein Gesetz erlassen, nach dem nur private Aktiengesellschaften eine Eisenbahn bauen und betreiben konnten. Dem Staat war natürlich die Genehmigung solcher "Eisenbahnunternehmungen" vorbehalten. Zunächst hatte man eine Linienführung durch das Fischbachtal vorgesehen. Da Bayern jedoch eine Verbindung mit St. Ingbert bevorzugte, entschloß man sich schließlich zu einer Streckenführung durch das näher am bayerischen St. Ingbert gelegene Sulzbachtal. Dieses Zugeständnis der Preußen war wohl nötig - schließlich war man auch auf das Wohlwollen der Bayern angewiesen, da die Verbindung mit der Pfälzischen Ludwigsbahn in erster Linie den Kohlegruben Preußens zugute kam. Zudem wollte Preußen bis zur entgültigen Fertigstellung der gesamten Strecke auf eigene Züge und die Streckenunterhaltung verzichten und nur das Bahnpersonal stellen und vereinbarte dies in einem Kooperationsvertrag mit Bayern. Bereits 1844 plante man auch eine Zweigbahn der Pfälzischen Ludwigsbahn von Homburg nach Zweibrücken über Schwarzenacker und Einöd, also wieder auf bayerisch-pfälzischem Gebiet. Eine der auch heute noch bedeutendsten Verbindungen innerhalb des Saarlandes ist die 1856-60 erbaute und von der Saarbrücker Bahn betriebene Saarbrücker-Trierer-Eisenbahn durch das Saartal, die 1861 auch einen Anschluß an Luxemburg erhielt. Zusammen mit der Merzig-Trierer-Strecke wurde auch die privat finanzierte, aber vom preußischen Staat erbaute und betriebene, Rhein-Nahe-Bahn von Bingerbrück über Türkismühle, St. Wendel und Ottweiler nach Neunkirchen eingeweiht, mit deren Bau 1857 begonnen worden war . Am 1. Juni 1867 wurde nun auch endlich der in St. Ingbert herbeigesehnte Bahnanschluß nach Homburg eröffnet, der bereits beim Bau der Pfälzischen Ludwigsbahn im Gespräch gewesen war . St. Ingbert lag wie Bexbach an der bayerisch-preußischen Grenze und besaß neben einer Kohlengrube auch eine Eisenhütte. Dennoch kam es erst verhältnismäßig spät zu einem Eisenbahnanschluß. Um auch den Bliesgau an das Bahnnetz anzubinden, entschloß man sich 1865 zu einer Streckenführung von der bereits bestehenden Homburg-Zweibücker-Bahn aus durch das Würzbachtal nach St. Ingbert. Der Anschluß an Saarbrücken erfolgte 1879 . 1895 mußte die Schienenführung von Hassel aus über Rohrbach geführt werden . Ebenso unerfüllt blieben auch die Erwartungen an die kurze Strecke von Saarbrücken nach Saargemünd, die 1867-69 erbaut wurde und am 27. Mai 1870 eröffnet wurde, kurz vor dem Beginn des deutsch-französischen Krieges. Am 15. Mai 1878 wurde die Teilstrecke der Moseltalbahn von Trier nach Diedenhofen in Lothringen eröffnet, die ganz unabhängig von den anderen saarländischen Eisenbahnen verlief, aber den westlichen Zipfel des Saarlandes durchzog. Die saarländischen Empfangsgebäude in Nennig und Perl wurden jedoch erst 1927 bzw. 1929 errichtet. Die Fischbachbahn, die fast parallel zur Saarbrücker Bahn von Saarbrücken nach Neunkirchen verläuft, mußte ab 1873 angelegt werden, um die neuen Kohlegruben des Fischbachtals mit Stichbahnen an das Verkehrsnetz anzubinden. Außerdem war es nötig, die bereits stark beanspruchte Saarbrücker Bahn zu entlasten. Am 15. Oktober konnte die Strecke, die über Wemmetsweiler nach Neunkirchen führt, eröffnet werden . Nach dem deutsch-französischen Krieg versuchte man die Gebietsgewinne Elsaß und Lothringen möglichst schnell in das Deutsche Reich einzubinden . Zu diesem Zweck baute man mehrere Eisenbahnen, die heute allesamt stillgelegt und deren alte Empfangsgebäude auch nicht mehr erhalten sind. Sie werden deshalb nur der Ordnung halber erwähnt. Es handelt sich um die Strecken Bous - Hargarten - Teterchen von 1880, Dillingen - Busendorf von 1901 und Merzig - Mondorf - Bettsdorf von 1917. In den neunziger Jahren wurde in mehreren Teilstücken der wirtschaftlich unterentwickelte südliche Hochwald an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Zunächst schuf man eine Verbindung zwischen der Rhein-Nahe-Bahn und der 1889 eröffneten Strecke Trier - Hermeskeil, die von Türkismühle über Nonnweiler nach Hermeskeil verläuft. Zur gleichen Zeit wurde ab Lebach eine Anbindung nach Wemmetsweiler zur Fischbachbahn geschaffen. Beide Strecken wurden am 15. Mai 1897 eröffnet. Bereits am 10. Dezember des gleichen Jahres folgte das Seit 1917 wurde das Eisenbahnnetz nicht weiter ausgebaut, erst in den dreißiger Jahren stellte man die bis heute letzte Verbindung von Ottweiler nach Türkismühle fertig, eine östliche Nebenstrecke der Rhein-Nahe-Bahn, die heute stillgelegt ist. Abschließend läßt sich sagen, daß die frühesten Eisenbahnverbindungen noch heute zu den wichtigsten zählen, wenn auch viele der "internationalen" Erwartungen enttäuscht wurden. Dazu gehören vor allem die Strecken der Saartalbahn, der Saarbrücker Bahn, der Pfälzischen Ludwigsbahn und der Rhein-Nahe-Bahn. Viele der später hinzu gekommenen bestehen dagegen nicht mehr oder sind kaum noch von Bedeutung. Eine Ausnahme bildet jedoch die Verbindung Homburg - Limbach - Kirkel - Rohrbach, die die frühere Würzbachtalstrecke wesentlich abgekürzt hat und sich deshalb durchsetzen konnte. |

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